Samstag, 16. Juni 2012

Frauenförderung

Umstritten und zumindest in den Medien omnipräsent: Frauenförderung.
Was wird da nicht alles getönt, von wegen was Firmen alles täten, um ihre Frauen zu stärken und zu fördern. Oft genug handelt es sich dabei jedoch um folgenlose Beteuerungen, wie auch der Ruf nach technischen Fachkräften (wenn es so wenig davon gibt, warum steigen dann die Gehälter dermaßen langsam an, fragt man sich bei letzterem - immerhin scheint hier langsam Besserung in Sicht zu sein).
Ich selbst hatte zum Thema Frauenförderung lange eine feste Meinung: Brauche ich nicht! Den Girls Day gab es zu meinen Schulzeiten noch nicht - ich bin trotzdem in einer Männerdomäne gelandet. Als Frau habe ich mich während meiner Studien-, Promotions- und Arbeitszeit nie benachteiligt gefühlt.
Und jetzt als Mutter? Nun muss ich einsehen, dass ich doch Ansprüche an meinen Arbeitgeber stellen muss, die mir vorher fremd waren. Und: Ich bin überzeugt, dass es auch Vätern, die mehr sein wollen als der Spätabends- und Wochenendpapa so geht. Wichtigstes Beispiel: Während ich früher kein Problem mit Überstunden vor Ort hatte, brauche ich jetzt einfach die Möglichkeit der Telearbeit. Ich beneide meinen Mann, der abends mal eben seinen Laptop auspackt um noch ein wenig zu arbeiten oder sich mittags in eine Telefonkonferenz einzuwählen, während ich mit der Kleinen spazieren bin.
Nun erfuhr ich vor einiger Zeit von einem Jobevent eines größeren Unternehmens, an das auch eine Veranstaltung nur für Frauen gekoppelt ist. Ich überlege ein wenig. Ein Elternevent wäre passender, da es ein solches aber nicht gibt, melde ich mich kurzentschlossen an. Man kann schließlich besser urteilen, wenn man selbst mal dabei war.
Und: Ich bin positiv überrascht. Ein Mitarbeiter erzählt lang und breit von den Möglichkeiten der Telearbeit, der flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeit etc. Er spricht von Müttern und Vätern. Er wettert auch etwas gegen Frauenquoten (ganz in meinem Sinne), da diese es den Frauen nur schwer machen. Wenn Frauen Karriere machen wollen, dann sollen sie es auch zeigen, sagt er. Sehr schön! Ich will! Ich brauche nur die Rahmenbedingungen! Die scheint es dort zu geben.
Im darauf folgenden Jobevent (für beide Geschlechter) habe ich einige kurze Interviews mit verschiedenen Fach- und Führungskräften. Und wie es mir dabei erging, und ob daraus Einladungen zu einem Bewerbungsgespräch resultieren, erfahrt ihr im nächsten Post.

Kommentare:

  1. Hannah, das verspricht echt spannend zu werden. Ich habe übrigens grinsen müssen: Ist das "Frauen sollen sich auch zeigen" und das "Ich brauche nur die Rahmenbedingungen" nicht der Widerspruch,um den es geht? WIE soll ich mich zeigen, wenn ich Freitags um 11:00 Uhr vor der Schule warten muss, weil die Kinder nach Zeugnisausteilung abzuholen sind??? Deshalb halte ich Zuverlässigkeit für Eltern für einen wichtigen Bestandteil von Frauen-Karriere-Förderung. Unsere beiden Blogs ergänzen sich also diesbezüglich gerade hervorragend. Wenn das nicht FrauenPOWER ist!!! Ich werde Dir gespannt folgen, was Du von den Interviews berichtest!

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  2. Liebe Hannah, bin schon total gespannt auf die Fortsetzung! Beim Teil "Frauenförderung brauche ich nicht" musste ich schmunzeln, weil das auch meine Meinung war - bis zum ersten Kind. Ich freue mich aber zu lesen, dass ein Umdenken im Gange ist und hoffe, dass die Masse der Unternehmen den Vorreitern folgen wird - nach dem Motto: meine Tochter soll es mal besser haben als ich :-)

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  3. Danke ihr Lieben, für eure Kommentare! Stimme euch beiden zu. Mal sehen, was die Zukunft bringt...

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  4. Christine schrieb mir über facebook:
    "das werde ich auch bestimmt weiterlesen. Denn mit Bewerbungen als Mutter (und gar offen Alleinerziehende!) habe ich reichlich Erfahrung. Wobei ein Kind zu haben für den potentiellen Arbeitgeber scheinbar genauso fürchterlich ist wie drei, und ob dann noch Alleinerziehend dazukommt oder nicht, spielt vielleicht gar nicht so eine grosse Rolle wie ich manchmal meine, wenn eine Absage in meine Mailbox flattert. Solidarisch bin ich jedenfalls mit allen Frauen, die gerne arbeiten wollen."
    Danke, Christine!

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